JUGENDMEDIZIN


Jugendgesundheit hat erhebliche Auswirkungen auf „Erwachsenengesundheit“. Grundvoraussetzung für die Beschäftigung mit Jugendgesundheit ist die Kenntnis der medizinischen, psychologischen und soziologischen Besonderheiten dieser Lebensphase.
Sie ist gekennzeichnet durch Veränderungen und Besonderheiten in:
- Physiologie
- Psychologie
- Sozialem Umfeld
- Altersspezifischen Gesundheitsproblemen

Dabei spielen zentrale medizinische Probleme eine wichtige Rolle:
- Probleme und Fragen im Zusammenhang mit der Pubertät (Bin ich zu groß, zu klein, zu früh, zu spät, zu dick, zu dünn, Akne, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Wachstumsbeschwerden, etc.)
- Einfluss der pubertären Entwicklung auf chronische Erkrankungen (Diabetes mellitus, Rheuma, Herzerkrankungen, etc.)
- Gesundheitsverhalten und Experimentierverhalten (Risikoverhalten)
- Psychosomatische Beschwerden

Jugendmedizin kennzeichnet, dass sie auf eine zeitlich begrenzte Entwicklungsphase und nicht primär organbezogen ist (ähnlich der Neonatologie und Geriatrie).

Jugendmedizin bezieht sich auf die Entwicklung und die Entwicklungsaufgaben des Jugendlichen:
- Suche nach neuer Beziehungsstruktur zu den Eltern und Ablösung von Bezugspersonen
- Aufnahme neuer Beziehungen mit Integration von Sexualität
- Aufbau eines eigenen Lebenskonzeptes mit privater, schulischer und beruflicher Orientierung


Ziel der Jugendmedizin

Ziel der Jugendmedizin ist es, die persönliche Belastbarkeit, die Stabilität und die psychische Elastizität von Jugendlichen zu fördern bzw. wieder herzustellen, die physische und mentale Gesundheit aller Jugendlichen zu fördern und protektive Ressourcen zu mobilisieren.
- Von Krankheit zu Wohlbefinden
- Von Gesundheitsfürsorge zu Gesundheitsvorsorge
- Von Hilfe zu Selbsthilfe


Bestandteile der Jugendgesundheitsuntersuchung J1

Die Jugendgesundheitsuntersuchung umfasst:
- Familien- und Eigenanamnese einschließlich Störungen des Fettstoffwechsels
- Impfanamnese und die Frage nach einer Jodprophylaxe
- Fragen zu Medikamenteneinnahme (ohne ärztliche Verordnung), Alkohol-, Nikotin- und Drogenkonsum
- Fragen zur schulischen Entwicklung
- Fragen zu seelischer Entwicklung und Verhaltensauffälligkeiten
- Fragen zu Essgewohnheiten
- Fragen zu Pubertätsentwicklung und zu Sexualkontakten
- Untersuchungen
- der somatischen Entwicklung (Somatogramm mit BMI, Blutdruck, Pubertätsstadien nach Tanner)
- des Skelettsystems und der Muskulatur
- der Haut, Schleimhäute und inneren Organe, soweit sie von außen palpier- und auskultierbar sind (z. B. Struma)
- Fakultativ: Urinuntersuchungen, apparative Hör- und Sehteste, Blutdruckmessung, BMI. Bei Bedarf auch Blutuntersuchungen, EKG, Lungenfunktionsdiagnostik, die obwohl sie nicht zum Untersuchungsumfang gehören, in vielen Fällen ergänzend erforderlich sind
- Beratung
- zu allen relevanten oben aufgeführten Bereichen aus der Anamnese und Untersuchung, wenn ein auffälliger Befund erhoben wurde
- zu notwendigen Impfungen
- Vermittlung von gesundheitsbezogenem Wissen
- Motivation zu gesundheitsförderndem Verhalten
- Einüben von gesundheitsgerechtem Handeln


Hodentorsion

Die Hodentorsion ist die häufigste Ursache für einen Hodenverlust im Jugendalter. Meist ist sie traumatischer Genese, z. B. beim Radfahren oder Sport. Ursache ist eine deutlich erhöhte Kremasterkontraktilität. Für die Diagnose und gezielte Therapie verbleiben maximal 6 Stunden. Entscheidend für die Prognose ist der Grad und die Dauer der Torsion. Die größte Inzidenz findet sich zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr. In ca. 60% besteht sie linksseitig.

Symptome:
- Starker plötzlicher Schmerz im Skrotum (Vernichtungsschmerz), zieht entlang des Samenstranges in den Unterbauch.
- Schnelle Entwicklung einer skrotalen Schwellung.
- Rötung der Skrotalhaut.
- Zunahme des Schmerzes bei Anheben des Skrotums (Hodens).